Benin 10 – On the Road to Nowhere

Nach den vielen Eindrücken und Erlebnissen in Dogbo soll es nun endlich  losgehen Richtung Norden. Unser Ziel ist der Pendjari Nationalpark. Doch der Weg bis dahin ist lang – uns steht eine 9-stündige Busfahrt bevor. Deshalb heißt es: früh aufstehen und keine Zeit verlieren. Doch nicht alles verläuft so glatt, wie wir es von Deutschland gewohnt sind. Zuerst steht ein Ölwechsel auf dem Programm, das heißt, alle müssen aussteigen und mal wieder warten. Doch die Zeit kann genutzt werden zum Frühstück kaufen, zum Beine vertreten, zum Telefonieren – vorausgesetzt man hat Empfang. Jetzt muss nur noch getankt werden. Gar nicht so einfach, eine Tankstelle zu finden, an der auch Benzin in den Tanksäulen ist, meistens werden wir einfach mit einem Kopfschütteln von den Tankwarts weitergewunken. Nach 4 erfolglosen Versuchen unseren Bulli voll zu tanken endlich eine Tankstelle MIT Benzin. Nun kann es endlich losgehen.

Unterwegs auf der afrikanischen Landstrasse fällt mir direkt auf, wie deutlich sich das Land und das Klima verändern. Von dem tropisch feuchten und schwülen Süden geht es langsam in den trockenen heißen Norden. Man merkt, dass wir uns der Sahara nähern. Die Strassen werden staubiger, die Lehmhütten der Menschen trockener und steiniger. Und die Temperaturen steigen…

IMG_2976Es scheint, als würden wir immer tiefer in den Kontinent eintauchen, an den Strassen stehen Frauen mit Körben auf den Köpfen, die dem Bus, voll mit “Jovos“, ungläubig hinterherschauen. Das Leben scheint hier noch mehr stehen geblieben zu sein als im Süden, oft sieht man kilometerweit nur wenige Hütten am Wegesrand und kaum noch Menschen. Wir sind im absoluten Nowhere.

Nach ein paar Stunden wird es dann auch wieder Zeit für eine Pause. Wir halten an einer Strasse, an der eine kleine Garküche einfaches Essen und kalte Getränke verkauft. Neben uns stehen 3 Frauen vor einem Holztopf und stampfen Maisbrei. Immer im Wechsel stoßen Sie stundenlang mit riesigen Holzknüppeln in den Brei, so lange bis eine Teigmasse entsteht, aus der Maisknödel geformt werden. Ich bekomme Lust, einfach mitzustampfen und durch Annas Übersetzungshilfe bekomme ich die Möglichkeit, mich einmal für ein paar Minuten wie eine echte afrikanische Frau zu fühlen. Die Frauen haben Spaß, eine Jovo-Frau interessiert sich für ihre Arbeit. Das hatten sie nicht erwartet. Sie rufen mir Anweisungen zu, und dass ich fester stampfen muss und lachen. Mir wird schnell klar, dass das Leben der Frauen in Afrika alles andere als einfach ist – bereits nach 5 Minuten stehen mir die Schweißperlen auf der Stirn und ich gebe erschöpft auf. Aber ich bin glücklich, mein kleines Praktikum in Afrika hat mir riesig Spaß gemacht!

Zurück auf der Strasse. Mittlerweile wird uns klar, dass wir mit den optimistisch geschätzten 9 Stunden nicht hinkommen und dass unsere Fahrt locker an die 12 Stunden dauern wird. Die Strassenverhältnisse sind einfach zu schlecht, man kann teilweise nicht schneller als 40 km/h fahren. Aber wir sind schon an den Afrika-Faktor gewöhnt und vertreiben uns die Zeit lieber mit Singen und Spielchen.

IMG_2665Nach einer endlos langen Fahrt kommen wir dann schließliche in Natitingou an, und kurz danach auch endlich im Camp Numi, unserer Unterkunft für die nächsten beiden Nächte. Leider ist es schon dunkel und das Aufbauen der Zelte wird somit zu einem Abenteuer, schließlich sind wir gewarnt worden – vor Schlangen und Skorpionen. Doch unsere Arbeit wird belohnt: zur Begrüßung im Camp es gibt ein großartiges Abendessen, zubereitet von den Köchen der beiden deutschen Camp-Besitzer Klaus und Alfred. Die letzten Kräfte, die wir nach diesem Tag auf der Strasse noch haben, werden genutzt, um den nächsten aufregenden Tag im Nationalpark zu planen.

(jule)

Eintrag auf Facebook teilen
Eintrag auf Twitter teilen

Kommentieren