Chaotische Busfahrten, traumhafter Wasserfall und nette Familien

MoscheeZusammen mit einem Bekannten aus meinem Viertel in Ouagadougou geht es mit dem Bus nach Bobo-Diolasso, der 2. größten Stadt in Burkina Faso. Am Bahnhof angekommen warten wir eine Ewigkeit, bis uns der Onkel von Diarra etappenweise mit dem Motorrad nach Hause bringt. Am nächsten Tag schauen wir uns eine alte Lehmmoschee an und besuchen im Anschluss das alte Viertel von „Bobo“, welches eine außergewöhnliche Atmosphäre versprüht. Zwischen den Häusern bahnt sich ein Rinnsaal mit ganz viel Dreck und Schmutz seinen Weg – in dem Rinnsal befinden sich die heiligen Fische, welche die Wächter der Stadt sind und geschützt werden müssen. In der Ferne sehe ich Frauen, die ihre Wäsche in der dreckigen Suppe waschen.

Wir machen an einem kleinen Laden mit Kunsthandwerk halt, wo mir eine Kette mit exorbitantem Preis (umgerechnet ca. 24€) angeboten wird. Meine burkinischen Begleiter diskutieren mit dem Verkäufer und sagen, dass man von mir nicht einen solchen Preis verlangen dürfte, nur weil ich weiß bin. Plötzlich kostet die Kette nur noch umgerechnet 3€…

Das was ich von Bobo gesehen habe, gefällt mir besser als Ouagadougou: Es ist erheblich grüner, die Straßen sind kleiner, es gibt richtige Alleen und die Luft ist reiner. Der Onkel und die Tante sind sehr nett und gastfreundlich. Am veroNachmittag nehmen wir den Bus nach Banfora, zur nächsten Familie von Diarra. Am Bahnhof angekommen warten wir wieder eine Weile, bevor uns ein weiterer Onkel abholt. Diesmal auf einem Moped. Nach ein paar Metern funktioniert etwas nicht. Es heißt absteigen und wieder warten…Im Hof der Familie tummeln sich viele Menschen rum. Mir werden zunächst die Familienverhältnisse erklärt. Ein etwa 8-jähriger Junge wird mir als Diarras (20 Jahre) Onkel vorgestellt, zwei Frauen mit Kleinkindern als zwei der Frauen seines Großvaters. Sein Großvater wurde also mit über 70 noch mal Vater. Er hat über 30 Kinder. Ganz verdreckt vom Tag nehme ich noch eine Dusche. Das Badezimmer ist eigentlich nur ein Raum mit einem Loch drin. Wenn es mir nicht unangenehm ist, kann ich dort auf Toilette gehen wird mir gesagt. Einen Wasserhahn gibt es nicht. An stattdessen wird mir ein Eimer Wasser in den Raum gestellt, welcher vorher mit dem Brunnenwasser aus dem Hof gefüllt wurde. Draußen finde ich die Toilette. Ich schaue ungläubig in das Loch und sehe wie es sich bewegt…ich frage mich, wie und ob überhaupt das Loch hin und wieder gereinigt wird.

Die Familie ist unglaublich gastfreundlich. Eine von Diarras Tanten kocht uns Spagettis und bittet uns mehrere Male, die Augen zu schließen. Ihr war es anscheinend ziemlich unangenehm, uns solch ein Essen „vorzusetzten“. Sie hat mir ihr Bett und den Ventilator überlassen und hat sich selber auf eine Strohmatte auf den Boden gelegt.

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück (Mil, eine Getreideart, gekocht und mit Milchpulver vermengt) geht mit dem Motorrad eines weiteren Onkels zu den Wasserfällen. Die Fahrt dorthin ist herrlich, ich sehe grüne Felder, Palmen, Hügel und freue mich, dass Burkina Faso nicht nur Trockenheit bedeutet. Bei den Schlaglöchern bremst Diarra nicht wirklich ab und mir staucht jedes Mal die Wirbelsäule zusammen. wasserfallDer Aufstieg zum Wasserfall ist nicht gerade einfach – vor allem mit Flip-Flops. Oben angekommen genieße ich den herrlichen Ausblick und das klare Wasser, welches in Massen den Wasserfall hinabfließt. Wir gehen weiter hoch und treffen auf eine Gruppe, die direkt am Wasserfall ihr Camp aufgeschlagen hat. Ich sehe Burkiner mit Rasterlocken, die Trommeln und Gitarre spielen. Das Wasser ist der Wahnsinn und eine tolle Abkühlung nach dem anstrengenden Aufstieg. Ich habe in den letzen Wochen in Burkina Faso das kostbare Gut Wasser auf alle Fälle mehr zu schätzen gelernt. Ich genieße das nicht enden wollende Geplätscher des Wasserfalls bevor wir wieder zu unseren Motorrädern gehen.

Mittag essen wir gleich zwei Mal, bei zwei verschiedenen Familien. Ich bin pappsatt und esse trotzdem noch eine Mango aus dem Garten. Mit dem nächsten Bus fahren wir nach Sindou. Diesmal mit einem Kleinbus, dem ich nicht wirklich vertraue. Nach einer klapprigen Fahrt kommen wir trotzdem sicher an und schlafen bei einem weiteren Onkel von Diarra. Als der Onkel erfährt, dass ich aus Deutschland komme, fängt er sofort an von Hitler zu reden. Er ist der Ansicht, dass Hitler kein schlechter Mensch war und dass Dank ihm zum Beispiel die Vereinigten Nationen gegründet wurden. Ich muss schlucken und kann seine Meinung beim besten Willen nicht teilen. Mir ist es schon zum 2. Mal passiert, dass ein Burkiner auf diese Weise über Hitler gesprochen hat.

Vor dem Schlafengehen nehme ich noch eine Dusche. Ich hebe den Wassereimer hoch und sehe eine tote Kakerlake, die gerade von Insekten verspeist wird. Schnell stelle ich den Eimer wieder auf das Massaker und missachte die weiteren Kakerlaken die sich um mich herum tummeln. Diese Nacht schlafe ich grauenhaft. Ich liege auf dem Steinfußboden auf einer Strohmatte, es ist steinhart und irrsinnig heiß. Klitschnass stehe ich um kurz vor 5 Uhr auf. steineWir fahren zu den „Piques“ – eine bizarre Felsformation. Hier hat im 18. Jahrhundert ein Stamm gewohnt, welcher sich vor den Feinden versteckt und ein Leben auf dem Plateau geführt hat. Einmal in der Woche sind die Frauen hinabgestiegen um Wasser zu holen. Es wurde auch Landwirtschaft am Fuße der Steinformationen betrieben. Wenn sich der Feind näherte wurden alle von den Wächtern die überall auf den Felsen positioniert waren mit Art Hörnern (so wie ich das verstanden habe) gewarnt. Mir wird erklärt, dass verbale Kommunikation eine sehr große Rolle gespielt hat und dass es für Manches gar keine Wörter gab. Wenn man zum Beispiel eine Frau heiraten wollte, hat man ihr einen Strohhalm gegeben. Wenn sie diesen in zwei Teile gebrochen hat, sich die eine Hälfte ins Haar gesteckt und die andere Hälfte an den Mann gegeben hat, so willigte sie auf diese Weise ein.

busMit einem sehr kleinen Bus in den eigentlich ca. 15 Personen passen, werden doch noch 2 Plätze gefunden und wir fahren mit 31 Leuten (davon 5 Kinder) total eingequetscht zurück nach Banfora. Dort angekommen nehmen wir gleich den nächsten Bus nach Bobo. In Bobo besuchen wir noch den großen Markt. Es gibt alles Mögliche hier von Plastikschüsseln über Handys bis zum Fisch. Beim Anblick von der „Fleischtheke“ außerhalb des Marktes frage ich mich, ob das Fleisch nach Stunden in der Sonne und bei über 35°C wirklich noch ansatzweise genießbar ist…

Unsere letzte Busfahrt fängt absolut chaotisch an. Noch ist alles ruhig und die Menschen reihen sich brav in eine Reihe, um in den Bus zu steigen. Plötzlich gehen die Türen auf und die Menschen fangen an, sich wie die Bekloppten in den Bus zu drücken. Dies geschieht ohne Rücksicht auf Verluste. Es gilt: „Erst einsteigen dann eventuell aussteigen lassen.“ Eine Frau mit Kind hat Mühe, sich durch die Massen zu kämpfen. Obwohl ich direkt vor der Tür stehe schaffe ich es nicht, rein zu kommen. Ich werde von allen Seiten gegen die Buswand gedrückt und bekomme Panik. Von einer Seite bekomme ich einen Schlag ins Gesicht von einem Mann, der unachtsam mit seinem Handy rumfuchtelt. Ich brülle, ob die Leute alle bekloppt geworden sind und hieve mich neben Diarra, der sich erfolgreich vorgedrängelt und uns einen Platz reserviert hat. Ich frage mich, warum es nicht einfach nummerierte Plätze gibt…ich frage mich, ob es denn wirklich so schwierig ist, die Dinge hier ein bisschen besser zu organisieren…ich frage mich warum die Menschen dir eben noch brav in einer Reihe standen von einer Sekunde auf die andere zu Tiere werden. Ich höre auf mich zu fragen, weil ich keine Antworten finde. Wir fahren ein Stück und müssen wieder warten, warum weiß ich natürlich wieder nicht. Bei einem Halt kommen 20 Frauen auf den Bus gestürzt. ALLE mit Körben voller Mangos auf den Köpfen. Sie versuchen verzweifelt ihre Ware zu verkaufen…Alle die gleiche Ware. Der Anblick macht mich traurig und lässt mich noch nachdenklicher werden.

Auf dem Heimweg traue ich meinen Augen nicht, als ein paar Tropfen Wasser durch das Dach auf meine Hose tropfen. Draußen regnet es, und das hier in Burkina Faso, außerhalb der Regenzeit. Es bilden sich kleine Bäche und ich würde am liebsten ein wenig im Regen rumlaufen.

Ich habe in der kurze Zeit einen kleinen Einblick in die burkiner Kultur bekommen. Ich habe Neues erfahren, sowohl Positives als auch Negatives.

In Ouaga angekommen, freue ich mich auf mein Haus. Ich nehme eine Dusche in meinem sauberen Bad, lege mich in mein schönes Bett und stelle den Ventilator an.

Eintrag auf Facebook teilen
Eintrag auf Twitter teilen

Kommentieren