Burkina Faso – die letzten Tage

Hallo an alle,

nun liegen nur noch ein paar Tage vor mir bis zur Rückkehr in die geliebte Heimat. Ich zähle die Tage schon und freue mich schon riesig auf so vieles, was mich zu Hause erwartet.

Für die letzten Tage habe ich mir vorgenommen, die Zeit so gut es geht zu nutzen und Dinge zu tun, die ich schon die ganze Zeit vorhatte. Bis jetzt ist mir das auch ganz gut gelungen. Ich habe viele sehr interessante Gespräche mit den unterschiedlichsten Leuten geführt, über Politik, das Steuersystem, den aktuellen Präsidenten, über Albinismus und und und. Ich habe wieder sehr viel dazu gelernt und gemerkt, dass es noch so vieles Neues zu entdecken gäbe.

BurkinaFaso_1Ich habe endlich zwei Aufführungen des Aufklärungstheaters von meiner Organisation sehen können, was wirklich sehr interessant war. Das Theater dient dazu, Menschen die man durch Radio, Fernsehen oder Plakate etc. mit Botschaften wie: „Verwendet Kondome!“, „Wascht euch die Hände!“, „Lasst euch und eure Kinder impfen!“, nicht erreichen kann, über bestimmte Themen aufzuklären und ihr Verhalten zu verändern. An einem Tag waren wir im Dorf auf einem Marktplatz. Zunächst herrschte normales Alltagstreiben. Einer der Theatergruppe hat angefangen zu trommeln und die anderen drei haben die Bühne aufgebaut. Stück für Stück kamen immer mehr Leute neugierig zum kleinen Platz. Am Ende waren es wirklich viele, die sich das Theaterstück, welches für die Mitgliedschaft in Art Krankenversicherungen, geworben hat. Im Anschluss hatten die Dorfbewohner die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Das Theater ist hier ein sehr wirkungsvolles Kommunikationsinstrument, um das Verhalten der Menschen zu verändern und Bewusstsein für bestimmte Themen zu schaffen.

Ich bin inzwischen öfter abends weggegangen, was in erster Linie daran liegt, dass ich Leute näher kennen gelernt habe. Ich habe mich mit einem Kollegen unterhalten und er meinte, BurkinaFaso_2dass die Burkiner oft darauf warten, dass ein Weißer eine Aktivität vorschlägt, weil sie diesbezüglich etwas scheu sind. Ich habe aber die ganze Zeit genauso gewartet, dass jemand auf mich zukommt und mich fragt, ob ich etwas mit ihm unternehmen will. So haben wahrscheinlich beide Seiten gewartet. Inzwischen habe ich aber eine Handvoll sehr netter Menschen kennen gelernt, mit denen ich Hin und wieder etwas mache. Am Wochenende war ich zwei Mal tanzen. Die Mischung der Musik war teilweise sehr gewöhnungsbedürftigBurkinaFaso_3 und die Fähigkeiten des DJ’s noch ausbaufähig. Gestern Abend war ich auf einem ganz tollen Jazzkonzert von einer Gruppe aus Burkiner Faso und einer von der Elfenbeinküste.

In der Nacht macht das Motorradfahren besonders Spaß (ich fahre natürlich nicht selber). Es herrschen nur angenehm kühle 30°C, die Straßen sind frei und die Luft zum atmen vorhanden.

Letztens war mein Kumpel Diarra und sein Freund (knapp 17) bei mir, um mir von ihrem Projekt zu erzählen. Sie wollen Kinder unterstützen, die in einem Armutsviertel in Ouagadougou leben und sich durch Diebstähle und Drogen (das Schnüffeln an Autokleber) durch das Leben schlagen.BurkinaFaso_4 Sie haben wirklich viele Pläne und Ideen und ich habe versucht ihnen ein wenig zu helfen. Der 17-Jährige schreibt Gedichte und sein großer Wunsch ist, dass seine Gedichte publiziert werden und die Bücher an Schulkinder verteilt werden. Er hat mich gefragt, ob ich nicht ein paar Freunde fragen könnte, die Lust hätten ein paar Schulkindern hier zu schreiben und Geld zu schicken. Ich habe ihm zu erklären versucht, dass dies nicht so einfach sei, vor allem wenn keine Organisation dahinter steckt. Er hat gesagt, dass er auch regelmäßig die Rechnungen schicken würde und dass die Kinder mit den Leuten in Deutschland skypen könnten um zu sagen, ob ihnen das Geld zu Gute kommt oder nicht. Er hat sich wirklich Gedanken gemacht. Umso mehr tat es mir Leid, ihn vielleicht ein wenig zu desillusionieren.BurkinaFaso_5 Ich fand es aber toll, wie sehr sich die beiden engagieren wollen und es in Form einer kleiner Theatergruppe mit Kindern aus dem Viertel schon tun. Am Sonntag war ich dann in einem Viertel, was gar nicht so weit von meinem Haus ist. Man hätte denken können, man sei auf dem Dorf und nicht in der Hauptstadt von Burkina Faso. Ein paar Künstler haben dort eine Gruppe von Kindern animiert, mit ihnen gesungen und getanzt (ich wurde auch in den Kreis gebeten). Die Kinder haben mir außerdem einen Sketch vorgeführt, der den anderen Kindern zeigen sollte, dass sie keine Drogen nehmen sollen. War wirklich ein kleines Erlebnis und mittendrin im Geschehen.

Praktikumsmäßig habe ich nun wirklich nichts mehr zu tun, was mich ziemlich frustriert,BurkinaFaso_6 aber es nicht zu ändern ist. Meine Praktikumsbetreuerin weiß nichts mehr mit mir anzufangen und ich versuche meine Zeit wenigstens sinnvoll abzusitzen. Ich habe aber trotzdem etwas aus der Zeit bei der Organisation mitnehmen, habe interessante Projekte kennen gelernt und nette Kollegen gehabt. Das nächste Mal werde ich mir auf alle Fälle etwas aussuchen, wo ich mehr mit Menschen zu tun habe und nicht den ganzen Tag vor dem Computer sitze oder verzweifelt versuchen muss, mich zu beschäftigen.

Auch wenn ich mich oft alleine gefühlt habe und leider das Praktikum an sich mir nicht wirklich gefallen hat, will ich die Zeit hier nicht missen.

BurkinaFaso_7Ich habe viele nette Menschen kennen gelernt, interessante Gespräche geführt, einen kleinen Einblick in das Familienleben bekommen und vieles dazugelernt, auch über mich selbst. Ich habe sehr zu spüren bekommen, dass ich eben doch Deutsche bin und die afrikanische Gelassenheit zwar schön und gut ist, aber mir manchmal wirklich zu stark. Ich habe diesmal sehr zu spüren bekommen, was es heißt weiß zwischen ganz vielen Schwarzen zu sein und ich freue mich schon darauf, einfach mal nicht beachtet zu werden. Ich habe mit eigenen Augen gesehen, dass das Leben hier wirklich sehr hart ist aber die Menschen auf der anderen Seite das Leben hier sehr buntBurkinaFaso_8 und fröhlich ist. Ich finde es super, dass man überall auf der Straße Musik hört und das überall reges Treiben herrscht. Und wie immer, wenn ich im Ausland bin, habe ich meine Familie, Freunde, Freund, Kultur, meine Lebensverhältnisse und die Heimat mehr zu schätzen gelernt.

Nun ist wirklich an der Zeit, nach Hause zu kommen! Aber es wird sicherlich nicht das letzte Mal in Afrika sein. Aber das nächste Mal achte ich auf die Temperaturen…:-)

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2 Kommentare zu “Burkina Faso – die letzten Tage”

  1. Tweets that mention weitblicker unterwegs» Blog Archive » Burkina Faso – die letzten Tage -- Topsy.com schreibt:

    Mai 02, 10 um 01:56

    [...] This post was mentioned on Twitter by weitblick. weitblick said: aus dem weitblog: Burkina Faso – die letzten Tage http://bit.ly/bM8xWw [...]

  2. Linaspepals schreibt:

    Mai 17, 10 um 20:42

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