Beninreise 6

Sonntag….

Sogar in Benin konnten wir an diesem Morgen tun und lassen, was wir wollten. Veronika und ich hatten uns dazu entschieden, etwas zu tun, was zumindest zu meinem Sonntagmorgen eher selten gehört: Wir sind in die Kirche gegangen, d.h. reingehen konnten wir nicht, denn der Gottestdienst von Midangé findet draußen statt. Zu diesem Zweck schafft die Dorfgemeinschaft eine Menge Bänke und einen Generator für Mikrofon und die Band heran, schmeißt sich in ihr schönstes und buntestes traditionelles Gewand und feiert zirka fünf Stunden lang Gottesdienst.

Es wird gequatscht, gegessen, Babies gewickelt, dann wieder gesungen und gepredigt. Eigentlich wollten wir uns den Gottesdienst aus respektvollem Abstand angucken, aber nach Sekunden winkten uns die Frauen zu sich und boten uns Sitzplätze an. Da man als Frau im Gottesdienst sein Haar bedeckt, nahm eine der Frauen ein Tuch und band es mir kurzerhand mit einem breiten Grinsen um den Kopf.

Nach einer Stunde setzten wir unseren  Streifzug durch Midangbé und Bassanhoue fort. Dabei wir uns allen sicherlich der kleine Junge in Erinnerung bleiben, der plötzlich anfing, laut zu weinen, weil eine Wunde an seinem Fuß aufgerissen war. Der Fuß des kleinen Jungen sah wirklich böse aus, doch weder die großen Geschwister noch die Mutter,  schienen wirklich besorgt zu sein. Ein Teil von uns zog daraus die Konsequenz, dass es wohl nicht so schlimm sei und solche Wunden eben verheilen, aber vor allem Franca blieb hart und bestand darauf, den Jungen ins Krankenhaus zu bringen.

Auf dem Weg zum Markt in Dogbo machten wir also einen Zwischenstop beim Krankenhaus in Lokoukouhue. Die Diagnose: Noch zwei oder drei Wochen ohne Behandlung, und dem Jungen hätte der Fuß oder sogar das ganze Bein amputiert werden müssen. Dieser Vorfall hat uns allen ins Gedächtnis gerufen, wie prekär die medizinische Versorgung und Aufklärung in Benin noch ist.

P1000288Der Vorfall stimmte uns alle nachdenklich, doch wie immer ließ uns unsere Beninreise keine Zeit zum Nachdenken. Seit Tagen freuten sich vor allem die Mädels darauf, Stoffe zu kaufen und sich Gewänder schneidern zu lassen. Bei den Jungs ging alles schnell: Stoff gekauft, Modell ausgesucht, Maß genommen. Anders bei den Mädels: Stoff gekauft, anderen Stoff schöner gefunden, noch einen Stoff gekauft. Bei der Schneiderin: stundenlange Diskussion über die Modelle, am Ende zeichnet die Hälfte auf, was sie haben will.Und es bleibt die nagende Frage, ob die Wünsche vielleicht doch etwas zu kompliziert und wirr waren…

P1000289Das alles ließ Bernd genug Zeit, sich beim Friseur nebenan mal eben kurz Corn Rows in die Haare flechten zu lassen….

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