Beninreise 1

Mit einer Hand kann man nicht klatschen

Noch nie in meinem Leben hat sich jemand vor mir verbeugt – bis jetzt. Eigentlich wollten wir nur die letzten Kilometer zu unserer Unterkunft zu Fuß zurücklegen, doch wie ein Lauffeuer hatte sich die Nachricht durch die dichten Palmenwälder bis in die hintersten Winkel der Region Dogbo verbreitet, dass die Jovos (so nennen die Beniner uns  „Gelbnasen“) nun endlich da sind. Während wir nichtsahnend über die Lehmwege wanderten, vorbei an Mangobäumen und Palmenschnapsproduktionen, zogen die Beniner los, um uns willkommen zu heißen. Zunächst hörten wir die Trommeln nur ganz leise aus der Ferne, doch sie kamen immer näher. Dann waren die ersten bunten Gewänder zu sehen, die ersten Gesänge zu hören. Ehe wir es uns versahen, waren wir mitten drin im bunten Festumzug, in dem getanzt, gesungen und geklatscht wurde. So nah hatten wir die ungebrochene afrikanische Lebensfreude bis zu diesem Moment noch nie erlebt. Und dann verbeugten sie sich. Erst der Dorfälteste und nach und nach die anderen. Es war ein unglaubliches Gefühl,  es war unangenehm und irgendwie beschämend für mich. Ich hatte Gänsehaut und konnte sehen, dass es den anderen genauso ging.

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Die eine Szene, in denen die Beniner uns ihre Freude über unser Kommen so ausdrückten, dauerte nicht lange, wird mir aber wohl für immer im Gedächtnis bleiben. Doch mit dem ersten Trommelschlag war der Moment beendet, der Festzug setzte sich wieder in Bewegung – und wir mitten drin. Veronika versuchte sich direkt in der afrikanischen Art des Tanzes und erntete dafür strahlende Gesichter. Unser beninischer Betreuer Serge erklärte mir unterdessen, von was die Beniner dort sangen. „Sie singen: Mit einer Hand kann man nicht klatschen.“ Zwei Hände sind nötig, zwei Hände die gemeinsam für den Rhythmus sorgen. Gemeinsam! Eine Botschaft, wie man sie nicht besser formulieren könnte.

Manchmal ist es besser, das Leben langsam zu leben

In ihren Liedern erzählen die Beniner Geschichten, über Jahrhunderte werden Lebensweisheiten und –einstellungen an die nächste Generation weitergegeben. „Die Leute singen, dass es manchmal besser ist, das Leben langsam zu leben, weil man die Momente dann besser erleben kann“, erklärt uns Serge. Es ist eine Botschaft, über die wir noch lange nachdenken werden.

2Ist ein Leben das nur nach Terminen, Abgabefristen und Verpflichtungen organisiert wird wirklich so erstrebenswert? Das Lebensgefühl der Afrikaner springt auch auf uns über, wir saugen die Erlebnisse und Erfahrungen geradezu auf und bei der großen Willkommenszeremonie am Abend wagen wir dann auch die ersten Tanzschritte, für die wir viel Gelächter ernten. Jovos und Tanzen – das passt wohl einfach nicht. Niemand von uns hätten sich diese Szenen auch nur ansatzweise vorstellen können, als wir vor drei Tagen das Flugzeug in Cotonou verließen und unsere ersten Schritte auf beninischem Boden wagten.

1(flo)

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