Hochprozentiges

Algerien ist ein islamisches Land. 99 Prozent der Bevölkerung hier sind Sunniten. Selbstverständlich spielt das Thema Alkohol eine besondere bzw. eben keine Rolle. In Supermärkten und Kiosken gibt’s weder Bier noch Wein oder gar Schnaps zu kaufen. Dabei wird hier in Algerien sogar Wein angebaut und Bier abgefüllt. Dennoch gibt es Alkohol nur in einzelnen ausgewählten Geschäften. Gleiches gilt für Restaurants und Bars. Nur in sehr wenigen Lokalen bekommt man auch Hochprozentiges zum Essen serviert. Es ist aber die absolute Ausnahme. Manchmal hat man aber Glück und man kann sein eigenes Zeug mitbringen. In Deutschland unvorstellbar, hier aber in Ausnahmefällen möglich. Neulich wollten wir von der Firma aus eine Abschieds- und Betriebsfeier machen. Wir hatten noch Bier und Co. von einer anderen Veranstaltung übrig. Das sollte weg. Also musste ein Restaurant gefunden werden, wo wir unseren Kram selbst mithinschleppen konnten. Schließlich ging es ins Maison de Couscous, ein marokkanisches Restaurant mit reichlich Couscous, aber null Alkohol auf der Speisekarte. Ausgemacht war, dass wir den Gerstensaft in Tonkrügen serviert bekommen, damit es auch ja keinem anderen Gast auffällt. Jetzt musste der Alkohol nur noch ins Lokal, an den anderen Gästen vorbei in die Küche. Das schrie nach einem Sonderauftrag für unseren Fahrer. Den ganzen Nachmittag verbrachte der Gute damit das Bier in Zeitungspapier einzuwickeln, Flasche für Flasche. Verpackt inTüten gings zum Lokal. Jeder von uns kriegte nen Beutel und rein in den Laden. Möglichst unauffällig. Ich trug die Tüte über der Schulter. Nach Außen konnte es eigentlich keinem auffallen, was ich geladen hatte. So dachte ich zumindest. Dann meinte Sonja hinter mir: “Trag es nicht zu hoch. Muss ja nicht gleich jeder sehen, was wir hier vorhaben.” In dem Moment riss die Tüte und alle Flaschen knallten auf den Boden. Klirr und kaputt. Der ganze Teppich versaut und ich mittendrin. Es stank natürlich ordentlich nach Bier. Danach wußte auch der letzte Gast bescheid.

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