Grameen Bank – Teil II

Dieser Artikel soll die Prinzipien, welche die Grameen Bank so erfolgreich gemacht haben, näher Erläutern. Dazu werden die Besonderheiten der Grameen Bank bei dem Prozess der Kreditvergabe erklärt.

Seit dem Grameen Bank Projekt 1976 hat sich Grameen ständig weiterentwickelt und sie letztendlich zu dem gemacht was sie heute ist – ein soziales Business, welches speziell für und mit armen Menschen arbeitet. Seit der Transformation der Grameen Bank in eine formale Bank (1983), sind die Aktien der Bank zu 94% im Besitz der armen Kreditnehmer, welche überwiegend Frauen darstellen (vgl. Yunus 2009, S. 1f.). Die restlichen 6% gehören der Regierung Bangladeschs, die sich damit ein gewisses Mitspracherecht sichert.
Bis Heute hat die Grameen Bank ca. 7,97 Milliarden US-Dollar verliehen, wovon bereits 7,07 Milliarden US-Dollar zurückgezahlt wurden. Ihre Rückzahlungsrate beträgt somit 97,74 Prozent. Sie arbeitet seit ihrem Bestehen profitabel mit einer Ausnahme von lediglich drei Jahren (1983, 1991 und 1992 (vgl. ebd. S. 3f). Dazu ist zu sagen, dass die Bank bis 1995 Subventionen in Form von Spenden und Krediten mit niedrigen Zinsen bekommen hat. 1995 hat sie sich dazu entschieden, sich selbst zu finanzieren und 1998 ist der letzte dieser Kredite ausgelaufen (vgl. Yunus 2006, S. 3f).
Im Folgenden werden nun wesentliche Unterschiede der Grameen Bank bezüglich herkömmlichen Banken näher beschrieben.
Während herkömmliche Banken nach dem Motto: „ Hast du Geld, kannst du mehr Geld haben“ arbeiten, möchte die Grameen Bank ohne materielle Sicherheiten Geld an Menschen, die kein Geld besitzen, verleihen. Dabei vertritt sie die Meinung, dass Kredite ein Menschenrecht sein sollten (vgl. Yunus 2006, S. 4). Ganz nach dem Motto: „ Jeder Mensch – egal ob arm oder reich – hat Potential!“.
Die Menschen, die von der Grameen Bank angesprochen werden, waren vor einigen Jahren noch komplett vom formalen Bankwesen isoliert, da keine Bank das (scheinbar) hohe Risiko und die relativ hohen Kosten eines Mikrokredites an arme, besitzlose Menschen eingehen wollte. Sie hatten somit keinen Zugang zu legalen Finanzdienstleistungen jeglicher Art. Die Grameen Bank verzichtet bei ihrer Kreditvergabe auf jegliche materielle Sicherheiten sowie juristische Mittel, die Kundinnen auf gesetzlichen Wegen zum Zahlen zu zwingen. Wenn es also zu Problemen bei Rückzahlungen von Grameen Kundinnen kommt, wendet sich die Bank nicht ab, sondern im Gegenteil, sie versucht gemeinsam mit den Kundinnen die Probleme auf verschiedene Weisen zu bearbeiten und sie so dazu zu bringen, ihre Rückzahlungen zu tätigen (vgl. Yunus 2006, S. 5f).
Von besonderer Bedeutung und ein weiterer Unterschied zu herkömmlichen Banken ist die Kreditvergabe an überwiegend Frauen. Für diese Entscheidung gibt es mehrere Gründe: Frauen sind zumeist für den Haushalt verantwortlich. In jahrelanger Arbeit hat die Grameen Bank festgestellt, dass Frauen verantwortungsvoller mit Geld umgehen, d.h. sie kümmern sich um regelmäßige Mahlzeiten, schicken die Kinder zur Schule und sind erfahrungsgemäß bessere Sparer als Männer, die Geld u.a. auch für Pokern, Trinken, Zigaretten und Kinobesuche ausgeben (vgl. A N Wright, 2000, S. 133f). Daraus resultiert, dass durch Frauen der materielle Wohlstand der Familien eher gesteigert wird als durch Männer. Für die Bank ist es darüber hinaus besonders wichtig, dass Frauen zuverlässiger die Kredite zurückzahlen als Männer. Dazu kommt, dass in einer Welt, welche zumeist von Männern dominiert wird, sich durch die Kreditvergabe an Frauen grundlegende Strukturen verändern (vgl. ebd.)
Um Kunden von Mikrofinanzinstitutionen zum zurückzuzahlen zu bewegen, wird ein bestimmtes Instrument benutzt: die sogenannten „peer groups“.
Um Kredite bei der Grameenbank zu erhalten, müssen die Kundinnen zu einer Gruppe aus 5-10 Kundinnen gehören. Diese sollen von den Teilnehmerinnen selbst gegründet werden, damit eine höhere Verantwortung untereinander entsteht. Zusätzlich sollen die Gruppen möglichst homogen sein. Das heißt, die Gruppenmitglieder sollen möglichst gleich alt sein, einen ähnlichen sozialen Status genießen und vor allem vergleichbare wirtschaftliche Tätigkeiten ausüben (vgl. ebd., S. 131). Der soziale Druck sowie die Unterstützung untereinander bilden die Basis der Disziplin. Man kann sich „gegenseitig auf die Finger schauen“, aber „auch jemanden aus der Patsche helfen“, wenn es die Situation verlangt (vgl. ebd. S.132). Dabei ist zu beachten, dass bei der Grameen Bank die Gruppe keine Garantie für ein individuelles Mitglied übernimmt. Die Gruppe dient lediglich der Kontrolle, ob jedes Mitglied verantwortlich handelt und ist ein Instrument, Probleme früh zu erkennen um somit Schwierigkeiten bei der Rückzahlung entgegenzuwirken (vgl. Yunus 2009, S. 2).
Die Grameen Bank bietet heute eine Reihe von verschiedenen Kredit-, Spar und Versicherungsprodukten an, welche genau auf die Bedürfnisse ihrer Kunden zugeschnitten sind und essentiell für ihren Erfolg sind. In einem bald erscheinenden Post sollen diese näher beschrieben werden.
Wer noch nicht genug von Mikrokrediten hat, der sei doch noch auf diesen Artikel über Mikrokredite in Kambodscha verwiesen:
Eine Chance für Milionen

Also bis bald und liebe Grüße aus Bangladesch!

Quellen:

A N Wright, Graham: Microfinance Systems. Designing Quality Financial Services for the Poor. Dhaka: University Press Limited 2000.

Yunus, Muhammad: Banker to the Poor. Micro-lending and the battle against world poverty. New York: Public Affairs 2007.

Yunus, Muhammad: Grameen Bank at Glance. Chittagong: Packages Corporation Limited 2009.

Yunus, Muhammad: Microcredit: Banking with the Poor without Collateral. Chittagong: Packages Corporation Limited 2006.

Eintrag auf Facebook teilen
Eintrag auf Twitter teilen

Kommentieren