Bangladesch – Ein historischer Abriss


Die Geschichte Bangladeschs beginnt mit dem Ende der britischen Kolonialherrschaft über Indien, das 1947 in die Unabhängigkeit entlassen wurde. Daraufhin entwickelten sich mehrere Konflikte zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen quer durch Indien. Nach zahlreichen gescheiterten Verhandlungen zwischen den größeren Konfliktparteien, der Moslem-Liga, dem National-Kongress (Hindus) und Großbritannien, spaltet sich Pakistan (Moslem-Liga) von Indien ab. Der Staat Pakistan bestand aus zwei Teilen: Westpakistan (das heutige Pakistan) und Ostpakistan (das heutige Bangladesch). Das Besondere an dieser Teilung war, dass die beiden Teile dieses einen Staates von 1.500km indischem Territorium getrennt wurden.

Der frühere Staat Pakistan basierte auf dem Islam als gemeinsamer Religion. Bangladesch war und ist auch heute noch größtenteils muslimisch, genauso wie Pakistan.
Die westpakistanisch dominierte Regierung in Islamabad vernachlässigte eindeutig das ostpakistanische Gebiet.
Vor allem die verschiedenen Sprachen förderten die Entwicklung unterschiedlicher kultureller Identitäten: Urdu, die offizielle Landessprache, welche in Westpakistan gesprochen wird und Bengali, die in Ostpakistan gesprochen wird waren Kernpunkte der Protestbewegung, da die Regierung Urdu zur offiziellen Landessprache erklärte. Schon im Jahr 1949 formierte sich die oppositionelle Awami League und setzte sich für ein autonomes Ostpakistan ein.

Erst 1970 tritt der Konflikt in eine neue Phase. Die im Dezember ausgetragenen Wahlen desselben Jahres gewann die Awami League eindeutig. Westpakistan sah daraufhin seine Dominanz gefährdet. Die Awami League gewann nun an Einfluss und ihre Forderungen erreichten neue Dimensionen: Sie strebten nach vollkommener Unabhängigkeit und einem eigenen Land: „das Land der Bengalen“.
1971 trafen westpakistanische Truppen in Dhaka ein und lösten einen Bürgerkrieg aus. Dies führte dazu, dass 10 Millionen Menschen in die Grenzgebiete Indiens flohen. Indien sah sich daraufhin gezwungen, sich in den Krieg einzumischen, da die Flüchtlinge in den armen Grenzgebieten nicht versorgt werden konnten. Auch die Großmächte USA, UdSSR und China spielten in diesem Zusammenhang eine nennenswerte Rolle, auf die jedoch nicht weiter eingegangen werden soll.
Zunehmend verschärfte sich in dieser Zeit der Konflikt zwischen Indien und Pakistan (Kaschmir Konflikt). Dies bedeutete jedoch, dass Pakistan an zwei Fronten (West- und Ostpakistan bzw. Kaschmir und Dhaka) kämpfte. Pakistan war den indischen Truppen unterlegen und Indien erlangte einen schnellen militärischen Sieg, was gleichzeitig zur Unabhängigkeit Bangladeschs führte. Am 26. März 1971 proklamierten die im Exil lebenden Führer der Awami League die Unabhängigkeit Ostpakistans und gaben dem Land den Namen Bangladesch.
Nach der Unabhängigkeit kann immer noch nicht von einem friedlichen Zusammenleben im „Land der Bengalen“ gesprochen werden. Zahlreiche Wechsel von Militär- und gewählten Regierungen und die damit zusammenhängenden Zeiten des Kriegsrechts („martial law“) und immer wiederkehrende Ausnahmezustände („state of emergency“) prägen die politische Entwicklung.

Nach der Unabhängigkeit (1971) bis zum Jahre 1975 regierte Scheich Mujib das Land. Im August 1975 wurde er vom Militär gestürzt und umgebracht. Danach wurde das Kriegsrecht ausgesprochen. 1979 wurde erneut gewählt und Zia’s Bangladesh National Party kam an die Macht. Aber schon 1982 kam es erneut zu einem Militärcoup bei dem wieder ein gewählter Präsident sein Leben verlor. General Ershad ergriff die Macht, setzte die Verfassung außer Kraft und verbot alle politischen Parteien. 1983 wurde eine Wahl abgehalten, bei der wenige Parteien zugelassen wurden und die natürlich General Ershad gewann. Daraufhin lockerte er das Kriegsrecht und setzte die Verfassung wieder in Kraft. Die nächsten Jahre sind von Massenprotesten und Demonstrationen durch die Opposition geprägt. 1990 tritt Ershad ab und im folgenden Jahr wird er wegen Korruption verhaftet. Die Witwe des vorherigen Präsidenten Zia wird Premier Ministerin.
1996 wurde wieder gewählt und die bekannte Awami League konnte sich behaupten. Scheich Hasina Wajed, die Tochter von Scheich Mujib, der von 1972 bis 1975 das Land regierte, wurde Premier Ministerin. Scheich Hasina’s Legislaturperiode ging 2001 zu Ende. Sie war damit die erste Person der Geschichte Bangladeschs, die den Auftrag ihrer WählerInnen zu einem korrekten Ende brachte.
Die anschließenden Wahlen verlor sie jedoch. Zia’s National Party bildete in Koalition mit drei weiteren Parteien die Regierung Bangladeschs. Die nun bevorstehende Legislaturperiode verlief alles andere als ruhig. Generalstreiks und Bombenanschläge erschütterten das Land. Kurz vor der nächsten Wahl, welche im Januar 2007 stattfinden sollte, nahmen die Proteste zu und führten letztendlich dazu, dass abermals der Ausnahmezustand ausgerufen wurde. Die durch das Militär gestützte Regierung blieb bis Januar 2009 an der Macht.
Heute regiert Premier Ministerin Scheich Hasina wieder das Land.

Quellen:
Pfetsch R. Frank (Hrsg.): Konflikte seit 1945: Daten – Fakten – Hintergründe. Würzburg: Verlag Ploetz Freiburg: 1991.

BBC: Timeline: Bangladesh. http://news.bbc.co.uk/2/hi/south_asia/country_profiles/1160896.stm

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