In neun Tagen geht also der Flieger Frankfurt – Abu Dhabi – Dhaka

Nach einer längeren Zeit der Vorbereitung – Praktikumsplatz, Flugbuchung, Impfen, Mückenschutz, Visum, Stipendium, Hotelbuchung – nähern sich nun endlich die Tage, für die all diese Vorkehrungen getroffen wurden: Der Tag des Abflugs und des Ankommens.

Wo wir abfliegen ist bekannt.

Aber wo geht’s denn eigentlich genau hin?

Bangladesch – “das Land der Bengalen”. Wir laden euch ein zu einer kurzen Reise in ein Land, doppelt so groß wie Bayern und mit fast doppelt so vielen Einwohnern wie unsere Bundesrepublik. Ein Land, das man auf der Karte übersieht, weil es fast komplett von Indien umgeben ist und nur eine kleine Grenze mit Birma im Südosten teilt. Ein Land, dessen Sprache auf der Welt die am 7. häufigsten gesprochene und doch sehr unbekannt ist.

Ein Land, das bis 1971 zu Pakistan gehörte, aber dennoch mehr als 1500km davon entfernt war. Das Land mit der größten Bevölkerungsdichte weltweit.

Vom Bekanntheitsgrad würden wir Bangladesch irgendwo zwischen Bhutan und Kambodscha einordnen. Wenn du trotzdem schon mal in den Medien von Bangladesch gehört hast, so ist die Ursache wahrscheinlich ein Zyklon der das Land verwüstet hat.

Doch was steckt dahinter, hinter diesen platten Informationen? Eine abwechslungsreiche Geschichte, die Verbindung verschiedener kultureller Einflüsse, eine reiche und stolze literarische Landschaft, eine Premierministerin in einem von Männern dominierten Land…

Wir werden in Dhaka landen, der Hauptstadt und Regierungssitz Bangladeschs mit ca. 13 Millionen Einwohnern.

Nach einer turbulenten Zeit, in der eine Militärregierung das Land seit Anfang 2007 führte, ist Bangladesch durch die Wahlen vom 29.12.2008 wieder zu einer parlamentarischen Demokratie mit reinem Mehrheitswahlrecht zurückgekehrt. Die bereits erwähnte Premierministerin Sheikh Hasina (Awami League), die gleichzeitig die Tochter eines ehemaligen Premierministers ist und selber von 1996-2001 diese Position innehatte, wurde für weitere 5 Jahre gewählt und beendete damit die Militärregierung.

Demokratie ist aber nicht gleichzusetzen mit Wohlstand. Über 50% der Bevölkerung leben unter der, von der UN definierten, Armutsgrenze von 1 US-Dollar pro Tag.

Aber dies sind lediglich Zahlen und Fakten, die nur sehr begrenzt das Leben vor Ort beschreiben. Der westliche Traum vom ewigen wirtschaftlich-technischem Wachstum bröckelt gerade heftig und vielleicht ist es wieder an der Zeit, den Menschen in den Fokus des wirtschaftlichen Erfolges zu nehmen und ihm die Chance zu geben ihr Leben wieder selbst in die Hände zu nehmen – Mikrokredite versuchen dies.

Menschen, die in einer Bankfiliale als nicht kreditwürdig betrachtet werden – Hasse kein Geld kriegse auch keins – bekommen die Möglichkeit sich eine wirtschaftliche Existenz aufzubauen. Anstatt einem Filialnetz kommen die Mitarbeiter der Grameen Bank, unserem zukünftigen „Arbeitgeber“, in die Dörfer vor Ort, um mit den Leuten zu arbeiten – und wir werden mit ihnen gehen. In den letzten Jahrzehnten haben die wirtschaftlich armen Menschen bewiesen, dass sie trotz ihres Status’ am Rande der Gesellschaft mit Geld umgehen können.

Liegt es nicht nahe, dass jemand der im Durchschnitt 1 US-Dollar am Tag verdient alle Möglichkeiten nutzen wird, mit seinem Geld sorgsam umzugehen, um nicht immer von der Hand in den Mund leben zu müssen?

Gehen diese Menschen nicht viel sorgsamer mit ihren Ressourcen um?

Können wir nicht von ihnen lernen, als ihnen unsere Lebensweisen aufzuzwängen?

Also auf in die Dörfer. Zu den Menschen.

Denkweisen überdenken und viel Neues entdecken.

Wir werden mit Takas bezahlen und Dal essen, Chai-Tee trinken und den Ramadan miterleben, Bakschisch abdrücken und feilschen, nicht mehr „Guten Tag“ sondern „Al Salam Aleykum“ oder „Nomoste“ sagen.

Dieser Blog soll nicht nur dafür da sein, euch auf dem Laufenden über unsere Zeit hier zu halten.

Vielmehr wollen wir euch dazu auffordern, eure Gedanken und Gefühle, die ihr beim Lesen unseres Blogs habt, mit uns zu teilen und zu diskutieren.

Sei es ein Wort, ein Satz oder ein Gedanke.

Danke fürs Lesen und bis bald!

In Kürze:

Ein historischer Abriss über Bangladesch und eine kurze Einführung in das Konzept und die Ideologie der Mikrokredite.

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